Lebensbereich „Heimat“

Noch vor zwei Generationen war die Frage: „Wo ist meine Heimat?“ eine leicht zu beantwortende Frage. Die Heimat war das Dorf, die Stadt, die Region, in der man aufgewachsen ist, einem Beruf nachgeht, eine Familie gründet, seinen Lebensabend verbringt.

Heute aber sind für viele Menschen die Chancen zur Mobilität deutlich gewachsen. Viele nehmen schon in der Schulzeit oder im Studium die Chance wahr, andere Länder für längere Zeit kennen zu lernen. Im Leben besteht immer wieder die Möglichkeit, den Lebensmittelpunkt zu verändern. Wir wachsen etwa in Köln auf, machen in München eine Ausbildung oder ein Studium, pflegen an vielen Orten der Welt Freundschaften und wollen uns später in Spanien zur Ruhe setzen.

Der Cyberspace verstärkt diese Möglichkeiten. Wir können zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Ländern Freundschaften unterhalten, weil wir uns über Facebook austauschen können. Wir sind immer auf den Laufenden, was an anderen Orten geschieht, weil wir mit WhatsApp Fotos und Videos in kurzer Zeit miteinander teilen können.

Was identifizieren wir heute als unsere Heimat?
Was wird Heimat für uns in 30 Jahren bedeuten?
Ist Heimat der Rückbezug auf die eigene Kindheit oder ist meint der Begriff nicht auch die Fähigkeit, dem Leben eine Kontinuität zu geben?
Kann sich jede und jeder eine eigene Heimat schaffen?
Ist die Heimat der Familien- und Freundeskreis, unabhängig von dem Ort, an dem wir uns befinden?
Kann es eine ortlose Heimat geben?

4 Gedanken zu „Lebensbereich „Heimat“

  1. Ralf Stieber

    Heimat braucht Orte. Im Cyperspace finden sich auch Orte. Mentale Orte. Virtuelle Heimat. Oder mehr noch: Heimaten. Die EINE und die ANDEREN Heimaten. Der Filmregisseur Edgar Reitz zeigt dies auf wunderbare Weise in seinem Film „Die andere Heimat“ …

  2. Hella Blum

    Mein Zuhause ist offline, mein Zuhause sind Menschen und Orte. Das Web ist lediglich ein Weg zum Zuhause, weil ich online viel schneller und spontaner in Kontakt bleiben und einfach mal “Hallo” sagen kann.
    Offline und online ergänzen sich hier, aber ohne Offline wäre Online nicht möglich.

  3. Susanne Wilckens

    Heimat ist eine synaptische Manifestation emotional positiv unterlegter Engramme unseres Neurosystems – die sich auch über das Cyberspace generieren kann.
    Heimat ist eine raum-zeitlich-übergreifende Spur, die mich zu mir führt – weil sie meine Identität geprägt hat.
    Heimat ist Wiederbegegnung – aber Begegnung muss stattgefunden haben, wenn Heimat nicht „sinn“-entleert sein soll.

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