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Was bedeutet Gedächtnis im Web 2.0?

Stimmungsbild: Identität und Biographie

Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag?
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Im Mai 2014 haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Tagung “Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Identitätssuche im digitalen Zeitalter” zum Schluss der Tagung ihre  Standpunkte zu zehn Bereichen unseres Alltags zwischen online und offline jeweils in einem Koordinatennetz verortet.

Die Ausgangsfrage lautete jedes Mal:
Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag in diesem Bereich?
Die Fläche des für alle Bereiche gleichen Koordinatennetzes spannte sich auf zwischen den Polen „beeinflusst mich negativ“ – „beeinflusst mich positiv“ und den Polen „beängstigt mich“ – „motiviert mich“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten auf transparenter Folie jeweils einen roten Klebepunkt in das vorgegebene Koordinatensystem. In einem weiteren Schritt wurden die Folien mit den Einzelvoten übereinander gelegt. Dabei entstanden erkennbare Cluster – sozusagen ein “Stimmungsbild” unter den Teilnehmenden.

Der Scan in diesem Blogbeitrag dokumentiert das Stimmungsbild zum Bereich “Identität und Biographie”.

Lebensbereich „Öffentlichkeit“

Das Internet hat die menschliche Kommunikation grundlegend verändert. Während Massenmedien wie Buch oder Fernsehen einseitige Massen-Kommunikation erlauben, die allerdings nur privilegierten Einzelnen zur Verfügung steht, ist das Internet das erste Medium, das es prinzipiell jedem Menschen erlaubt, mit einer unbegrenzten Öffentlichkeit zu interagieren.

Mit dem Internet haben sich demnach auch völlig neue Öffentlichkeiten herausgebildet. Als im Jahr 1996 die Studentin Jennifer Ringley eine Webcam installierte , die das Leben ihres Schlafzimmers alle 3 Minuten mit einem Bild dokumentierte, war das eine Sensation, die auch in der primären Medienöffentlichkeit starken Nachhall fand.

Die Vorstellung, dass unsere privaten Bilder heute prinzipiell von einer Weltöffentlichkeit eingesehen werden können, kann uns heute nicht mehr überraschen. Soziale Netzwerke wie Facebook oder Google+, kommunikative Plattformen wie Twitter oder Alltagsbilderbücher wie Flickr zeigen, dass wir uns auf der weltweiten Bühne längst wie zuhause fühlen.

Dabei kann man schnell übersehen, dass das Internet nicht nur ein flüchtiges Kommunikationsmedium ist, sondern eben auch ein Archiv, das nichts vergisst. Während man vor ein paar Jahren noch davon ausgehen konnte, dass die Datenmassen wohl kaum je gesichtet werden würden, hat spätestens der NSA-Skandal gezeigt, dass sowohl die Technologie (Big Data) als auch der (politische) Wille vorhanden ist, unsere Spuren im Netz auszulesen und zu verwerten.

Eine Frage, die die Medienkultur der nächsten Jahre bestimmen wird, lautet also: Wie behalten wir die Kontrolle über unser Bild in der Öffentlichkeit?