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Stimmungsbild: Identität und Arbeit

Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag?
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Im Mai 2014 haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Tagung “Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Identitätssuche im digitalen Zeitalter” zum Schluss der Tagung ihre  Standpunkte zu zehn Bereichen unseres Alltags zwischen online und offline jeweils in einem Koordinatennetz verortet.

Die Ausgangsfrage lautete jedes Mal:
Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag in diesem Bereich?
Die Fläche des für alle Bereiche gleichen Koordinatennetzes spannte sich auf zwischen den Polen „beeinflusst mich negativ“ – „beeinflusst mich positiv“ und den Polen „beängstigt mich“ – „motiviert mich“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten auf transparenter Folie jeweils einen roten Klebepunkt in dieses vorgegebene Koordinatensystem. In einem weiteren Schritt wurden die Folien mit den Einzelvoten übereinander gelegt.  Es entstanden dabei erkennbare Cluster – sozusagen ein “Stimmungsbild” unter den Teilnehmenden.

Der Scan in diesem Blogbeitrag dokumentiert das Stimmungsbild zum Bereich “Identität und Arbeit”.

Lebensbereich „Arbeit“

Die Arbeitswelt ändert sich dramatisch durch die neuen Medien. Für viele Arbeitsplätze gibt es keine klare Trennung mehr zwischen dem Privaten und dem Beruflichen. Wir neigen immer mehr dazu, die Arbeit in unseren Alltag einzubinden.

Manche Firmen lassen sich ganz auf die sozialen Medien ein. Es gibt Unternehmen, die weniger Präsenzarbeitsplätze anbieten als sie Mitarbeiter haben: es gilt als modern, wenn man von zuhause aus arbeitet. Das sehen sogar auch Personalverantwortliche großer Firmen kritisch und lassen den E-mail-Server am späten Abend abschalten.

Einerseits dringt also die Arbeit immer tiefer in unser persönliches Umfeld vor. Andererseits zeigen die Medien große Rationalisierungspotentiale und gestalten in hoher Geschwindigkeit ganze Branchen um. Der kleine Buchhändler im Stadtteil kann nicht überleben, wenn amazon ein deutschlandweites Angebot aufbaut. Facharbeiter arbeiten nicht mehr mit dem Werkstück, sondern nur noch mit Touchscreens, mit denen die Maschinen bedient werden.

Die Benutzeroberflächen werden genauso auswechselbar wie die Nutzer selbst. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett hat hier eine neue Quelle der Entfremdung ausgemacht. Egal ob ich Schuhe produziere oder Brötchen, die Touchscreen für das Bedienelement ist dieselbe. Das handwerkliche Knowhow steckt in Maschinen, die über das World Wide Web fern gesteuert werden können.