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Stimmungsbild: Identität und Beziehung

Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag?
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Im Mai 2014 haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Tagung “Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Identitätssuche im digitalen Zeitalter” zum Schluss der Tagung ihre  Standpunkte zu zehn Bereichen unseres Alltags zwischen online und offline jeweils in einem Koordinatennetz verortet.

Die Ausgangsfrage lautete jedes Mal:
Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag in diesem Bereich?
Die Fläche des für alle Bereiche gleichen Koordinatennetzes spannte sich auf zwischen den Polen „beeinflusst mich negativ“ – „beeinflusst mich positiv“ und den Polen „beängstigt mich“ – „motiviert mich“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten auf transparenter Folie jeweils einen roten Klebepunkt in dieses vorgegebene Koordinatensystem. In einem weiteren Schritt wurden die Folien mit den Einzelvoten übereinander gelegt.  Es entstanden dabei erkennbare Cluster – sozusagen ein “Stimmungsbild” unter den Teilnehmenden.

Der Scan in diesem Blogbeitrag dokumentiert das Stimmungsbild zum Bereich “Identität und Beziehung”.

Lebensbereich „Beziehung“

Als die amerikanische Psychologin Sherry Turkle in den 90ern die ersten Befragungen von intensiven Online-Nutzern durchführte machte sie eine interessante Entdeckung: Der größte Mehrwert des vernetzten Computers lag für die meisten User gar nicht in der Recherche von Informationen, sondern vielmehr in den völlig neuen Möglichkeiten, sich selbst darzustellen.

Die User chatteten im einen Fenster mit Freunden, waren im nächsten in eine amouröse Liaison verwickelt und führten im dritten unter einem anonymen Nickname einen heftigen Streit aus.

Das Internet hat uns zu Multitasking-Experten gemacht, das gilt auch für den Bereich der Beziehung. Wir können nicht nur unter den verschiedensten Synonymen auftreten und Rollen annehmen, die uns im ,wirklichen‘ Leben keiner abnehmen würde,  wir können auch riskante Selbstdarstellungen wählen, die außerhalb des Netzes nicht ohne Konsequenzen bleiben würden: Vom Troll, der den Kommentarbereich eines Newsportals verstopft, über den Experten, der in einem Forum erklärt, wie man den richtigen Espresso zubereitet, bis hin zum hochseriösen Profil auf einer professionellen Berufs-Netzwerkseite stehen unserer Selbstdarstellung im Netz keine Grenzen entgegen.

Sherry Turkle, die Anfang der 90er begeistert von den kommunikativen Möglichkeiten im Internet war, hat vor kurzem ihre Diagnose aktualisiert: Durch das Internet haben wir verlernt, alleine zu sein.