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Stimmungsbild: Identität und Körper

Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag?
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Im Mai 2014 haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Tagung “Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Identität im digitalen Zeitalter” zum Schluss der Tagung ihre Standpunkte zu zehn Bereichen unseres Alltags zwischen online und offline jeweils in einem Koordinatennetz  verortet.

Die Ausgangsfrage lautete jedes Mal:
Wie verändern die digitalen Medien meinen Alltag in diesem Bereich?
Die Fläche des für alle Bereiche gleichen Koordinatennetzes spannte sich auf zwischen den Polen „beeinflusst mich negativ“ – „beeinflusst mich positiv“ und den Polen „beängstigt mich“ – „motiviert mich“.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten auf transparenter Folie jeweils einen roten Klebepunkt in das vorgegebene Koordinatensystem. In einem weiteren Schritt wurden die Folien mit den Einzelvoten übereinander gelegt.  Dabei entstanden erkennbare Cluster – sozusagen ein “Stimmungsbild” unter den Teilnehmenden.

Der Scan in diesem Blogbeitrag dokumentiert das Stimmungsbild zum Bereich “Identität und Körper”.

Lebensbereich „Körper“

Unser Körper scheint sich auf dem ersten Blick den neuen Medien hartnäckig zu widersetzen. Wieviel auch immer wir „googlen“, mit wem auch immer auf der Welt wir „chatten“, stets erinnert uns der Körper daran, dass wir einen festen Ort in dieser Welt haben.

In unseren Gedanken und Phantasien mögen wir uns ortlos machen können, in virtuellen Welten mögen wir als Avatar erscheinen, mit Hunger und Durst aber meldet sich immer unverwechselbar unser Körper an. Der Körper bleibt in den sozialen Medien außen vor.

Einerseits ist das richtig, andererseits stimmt das auch nicht.
Vier Beispiele:

Beispiel 1: Wenn wir ein Smartphone mit uns herumtragen werden die Orte, an denen wir uns befinden, über die Lokalisierungsdaten Teil des weltweiten Datenwissens.

Beispiel 2: Die Möglichkeit, Fotos zu machen und diese sogleich in das Netz einzuspeisen, ist heute fast überall gegeben. Unser Körper ist auch immer irgendwie dabei. Eine eigenständige Gesichtserkennung macht uns auch dann identifizierbar, wenn uns keiner von Angesicht kennt.

Beispiel 3: Schließlich verfeinern sich die Methoden der Datenerhebung. Ein aktuelles Label zur Gesundheitsvorsorge im Datennetz lautet: Quantified Self. Hier erheben Sensoren ununterbrochen, wie viele Schritte ich mache, wie oft mein Herz in der Minute schlägt, was mein aktuelles Belastungsprofil ist. So findet auch mein Körper Einlass in die Datenwelt.

Beispiel 4: Schließlich gibt es sogar die Möglichkeit, die Funktionen des Körpers durch Datenzugang anzureichern. Etwa beim Sehen: Die Datenbrille „Google glass“ „sieht“ nicht nur, was man sieht, sie „sieht“ auch, welche Geschäfte sich einen Straßenzug weiter befinden oder ob die Freundin gerade im Geschäft nebenan ist…